Jungenarbeit

Jungengruppe Explorer Boys

Alter: 9-13 Jahre
Treffen: dienstags 17:00 - 19:00 Uhr
(Albert-Schweitzer-Schule, Stadtpark 16, 53359 Rheinbach)

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Jungengruppe Live On Stage

Alter: 13-16 Jahre
Treffen: donnerstags 17:00 - 19:00 Uhr
(Albert-Schweitzer-Schule, Stadtpark 16, 53359 Rheinbach)

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Konzept Jungenarbeit

Wozu Jungenarbeit?

 

Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich die Lebensbedingungen für Frauen und Männer, Jungen und Mädchen stark verändern. die Erwartungen an die Geschlechterrolle und deren Ausgestaltung sind differenzierter und flexibler geworden. diese an sich positive Entwicklung verunsichert nicht wenige Jungen und Männer. Wie soll ich sein, was ist männlich, wohin soll ich mich entwickeln? Jungen und junge Männer brauchen Hilfe zu ihrer Orientierung und Unterstützung bei der Entwicklung einer männlichen Identität, die sich nicht aus der Entwertung anderer speist. es gibt keine allgemeingültigen Konzepte mehr für Männlichkeit und Weiblichkeit.

Die Forderungen an Jungen und junge Männer nach Verhalten Änderung sind häufig Überforderungen - gerade für diejenigen, die wenige Möglichkeiten der Beteiligung am gesellschaftlichen Dialog haben. geschlechtsbewusste junge Arbeit hat sich zu einem anerkannten Arbeitsansatz und Qualitätsmerkmal in der Jugendhilfe entwickelt. Sie stellt die Kategorie Geschlecht in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und setzt den männlichen pädagogischen Mitarbeiter, seine Fachlichkeit und seine Reflexionsbereitschaft voraus.

So verstandene Jungenarbeit hat gewaltpräventive Wirkung und ist ein Beitrag zur Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Jungenarbeit sucht die Kooperation zur Mädchenarbeit und wirkt auf eine geschlechtsbewusste Koedukation hin.

pädagogische Idee:
Die Jungenarbeit im Schutzraum bietet eine Atmosphäre, in der sich Jungen nicht beweisen müssen und in der sie vor Entwertung geschützt sind. Jungenarbeit muss Spaß machen, bedürfnisorientiert und attraktiv sein. die Vermittlung von neuen Erfahrungen gibt Hilfestellung bei der Persönlichkeitsbildern und bietet ein Informationsforum. thematische Schwerpunkte sind deshalb Kultur, Sexualität, Partnerschaft, Konfliktbewältigung etc. Jungenarbeit ist bestrebt, nicht defizitorientiert zu sein, sondern auf positives aufzubauen, bzw. positive Erlebnisse zu vermitteln. der Weg führt dabei über Akzeptanz und persönliche Anerkennung, Verständnis und Wertschätzung der männlichen Persönlichkeit von Jungen.

 

Ziele in der Jungenarbeit:

  • eigene Fähigkeiten und Stärken erkennen und nutzen
  • lernen, für sich und andere da zu sein
  • seine Ziele gewaltfrei erreichen
  • Gefühle und Probleme verbalisieren lernen
  • Beziehungsfähigkeit lernen
  • Hilfsbereitschaft
  • Achtung vor fremdem Eigentum
  • Unversehrtheit von anderen schützen
  • Umgang von „Jungs“ untereinander thematisieren und hinterfragen

 

 

Praxis:

Die Arbeit mit Jungen möchte:

  • als Reibungsfläche da sein
  • Verhaltensweisen und Äußerungen hinterfragen
  • Nicht wegschauen bei Problemen untereinander
  • Beziehungsstrukturen hinterfragen
  • Nicht stigmatisieren, sondern an der Veränderung arbeiten
  • Alternativ-Verhalten vorleben, als Vorbild dienen
  • Höflichkeitsformeln einfordern (nicht cool, sondern freundlich ist hier gefragt)
  • Entfaltungsmöglichkeiten bieten
  • Möglichkeiten zum „Austoben geben“ durch Bewegungsspiele
  • Raum für eine Gesprächsatmosphäre geben
  • Wertschätzung erleben und weitergeben
  • Streiten lernen
  • Probleme ohne Gewalt lösen

Konzept Anti-Gewalt-Training

1. Zielsetzung

Antigewalttrainings haben die Zielsetzung, aggressive und gewaltbereite Jugendliche und Heranwachsende mit ihrem Verhalten zu konfrontieren, um der Anwendung jedweder Gewalt vorzubeugen und entgegen zu wirken.
Aggressive Jugendliche sollen lernen, trotz körperlicher Stärke und vielfach vorhandener Opfergeschichte ihrerseits, auf Gewaltanwendung zu verzichten.

“Zurückhaltung ist Stärke – Gewalt ist Schwäche“


2. Zielgruppe

Jugendliche von 9 bis 13 Jahren, die durch besonders aggressives Verhalten auffallen. Die Gruppengröße variiert zwischen 4-6 Teilnehmer.


3. Teilnahmebedingungen

Die Teilnahme am AGT ist freiwillig.
Die Teilnehmer müssen sprachlich und intellektuell in der Lage sein, den Inhalten des Trainings folgen zu können.
Vor dem ersten Training müssen die Teilnehmer einen Fragebogen ausfüllen.

Ausschlussgründe vom AGT:

  • Psychische Erkrankung
  • Drogenabhängigkeit


4. Schwerpunkte in der Durchführung des AGT

  • Konfrontation mit dem aggressiven Verhalten
  • Abbau der Rechtfertigungs- und Neutralisierungsstrategien
  • Vermittlung der Opfersichtweise, Schaffung von Betroffenheit über das angerichtete Elend
  • Infragestellung der Zwangsweisen Notwendigkeit von Gewalt und das Erlernen von Schlichtungs- und Deeskalationsstrategien
  • Erarbeitung einer individuellen Provokationshierarchie und Lernen trotz Provokation  gelassen zu bleiben


5. Durchführung/Organisation/Medien/Personal

Das AGT ist so strukturiert, dass über einen Zeitraum von drei Wochen Treffen von zwei Std. Dauer stattfinden.
Je nach Bedarf können Einheiten innerhalb des AGT insbesondere zeitlich und räumlich variiert werden.

Das zur Verfügung stehen von Material aus dem Sportpädagogischen Bereich, der Abenteuer und Erlebnispädagogik, moderner Moderations- und Präsentationsmedien sowie geeigneter Räumlichkeiten (Turnhalle) sind elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung eines Anti-Aggressivitäts-Trainings.

Das AGT wird in der Einrichtung von einem Trainerpaar mit pädagogischer bzw. psychologischer Fachausbildung und einer Zusatzqualifikation als Anti-Gewalt-Trainer durchgeführt.
Anleitung und Beratung wird durch die AGT-Trainer gewährleistet.
Wir reagieren (pädagogisch nicht juristisch!) auf Kleinigkeiten, damit Größeres erst gar nicht passiert.

Das setzt Konfliktbereitschaft voraus, gerade auch bei Angst machendem Verhalten. Den Jugendlichen ist diese Streitkultur vertraut, aber viele Professionelle müssen sie noch lernen.


6. Methodenauswahl

Grundlage unseres methodischen Handelns bilden die im Folgenden aufgeführten Grundsätze:

  • Niemand hat das Recht, den Anderen auszugrenzen oder zu verletzen. Geschieht das dennoch, erfolgt Konfrontation.
  • Gewalt und Aggression werden als menschliches Verhalten zur Kenntnis genommen, jedoch nicht akzeptiert. Dieser „menschliche“ Anteil ist durch Regeln und Normen zu kultivieren.


6.1 Kommunikations- und Kooperationsspiele und Übungen zur Gruppenbildung

Teilnehmer sollen sich zu einer Gruppe finden, die in der konfrontativen             Auseinandersetzung vertrauensvoll miteinander umgehen können. Vertrauen der einzelnen TN untereinander fördert die Bereitschaft, Konfrontation zu akzeptieren und unterstützt sie.


6.2 Interaktionspädagogische Übungen

Die Eigen- und Fremdwahrnehmung soll gefördert werden. Kommunikationsmuster, nonverbal oder verbal, können in Relation zu aggressiven Situationen gesetzt werden.
Subjektive Wahrheiten werden verdeutlicht und in den Kontext zu den Ursächlichkeiten für den Ausbruch von Gewalt gesetzt und ggf. von den TN eigenständig erkannt. Mit der Bewusstwerdung kann Gewalt alternatives Verhalten gegenübergestellt werden.


6.3 Körperbetonte Spiele (Kämpfen nach Regeln)

Teilnehmer sollen lernen, sowohl aggressive Anteile als auch körperliche Reaktionen bewusst wahrzunehmen. Gewalt fasziniert und macht Spaß, sie muss aber auch durch die Akzeptanz von Regeln kultiviert werden.

6.4 Visualisierungsübungen

Diese dienen der Sensibilisierung für das Thema „Aggressivität“. Durch eine intensive Verdeutlichung des Gewaltpotenziales im Gruppenkontext, werden in der Regel die gemeinsamen Erfahrungen der TN herausgearbeitet und fördern damit Solidarität und die Bereitschaft der gegenseitigen Hilfestellung.


6.5 Rollenspiele/szenische Darstellung von bedrohlichen Situationen

Hier können eigene Befindlichkeiten der TN in jeglichen Gewaltsituationen, die Wahrnehmung des Täterverhaltens und die Opfersituation an den tatsächlichen Geschehnissen konstruiert werden. Rollenverhalten und Rollenerwartungen werden transparenter.
Bei dieser Methode kommt es unweigerlich zu ersten leichten Konfrontationen, die ein Übungsfeld im Hinblick auf den „Heißen Stuhl“ geben. Das Aushalten von ersten leichten Provokationen und die Erhöhung der Frustrationstoleranz können trainiert werden.

6.6 Rollentausch und Opferbriefe

Konfrontation mit der Opferperspektive. Täter müssen sich intensiv mit den Befindlichkeiten von Opfern auseinandersetzen.


6.7 Entspannungsübungen

Eine Verbesserung der Körperwahrnehmung durch das Erlernen und Anwenden von Elementen der progressiven Muskelentspannung trägt dazu bei, dass die TN auch in Stresssituationen Techniken zur Verfügung haben, die es dem Einzelnen ermögli-chen, sich „herunterzufahren“. Entspannung und die damit positiven Erfahrungen können auch zu einer besseren individuellen Befindlichkeit im Gruppengefüge führen.