Leitbild

 

Abenteuer-Pur möchte Erlebnisfelder anbieten, in denen Kinder und Jugendliche Grenzerfahrungen im positiven Sinne machen können. Besonders wichtig ist es dabei, Freizeiten anzubieten, bei denen das gemeinsame Handeln und Ausprobieren im Vordergrund steht. Kinder und Jugendliche sollen zunehmend eigenständig entscheiden und handeln können. Der Verein möchte es ermöglichen, aus Erlebnissen und Erfahrungen einen Gewinn an Kenntnissen, Fertigkeiten und Lebenseinstellungen zu ziehen. Entdecken, Erproben und Handeln fördern den Prozess, sich der Welt mit offenen Augen zuzuwenden. Die  Arbeit des Vereins orientiert sich dabei an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen, ihre Entwicklung und Interessen stehen im Vordergrund. Sich neuen Erfahrungen öffnen, sich auf Abenteuer einlassen, sich freimachen von Zwängen immer wiederkehrender Abläufe, sind die Grundlagen der erlebnispädagogischen Arbeit.
Ein wichtiger Ansatz in unserer Arbeit ist die Erlebnispädagogik. Eine mögliche Definition formulierte der Pädagoge Prof. Dr. Werner Michel:

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu be-fähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“

 

Erlebnispädagogik ist kein neues Arbeitsfeld, es ist eine Wiederentdeckung vieler pädagogischer und philosophischer Ursprünge. Sie wird in der Jugendarbeit schon lange praktiziert, ohne sie dabei als Erlebnispädagogik zu benennen. Die Verbindung von Erleben und Erziehen steht im Mittelpunkt dieser und somit auch unserer Arbeit.
 
1.1 Erlebnispädagogische Lernziele
In unserer Gesellschaft gibt es nach Kurt Hahn, dem Begründer Erlebnispädagogik vier Mangelerscheinungen, denen die Erlebnispädagogik entgegenzuwirken ver-sucht:

1. Verfall der körperlichen Tauglichkeit
2. Mangel an Initiative und Spontaneität
3. Mangel an Sorgsamkeit
4. Mangel an menschlicher Anteilnahme

Hier fühlen wir uns in der Verantwortung, die jungen Menschen zur Lebens-Verantwortung zu führen. Unsere Hilfestellung ist gefragt.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Kinder und Jugendliche sich ihre Er-kenntnisse nur sekundär durch das Fernsehen oder Videospiele holen, keine Erfahrungen aus »erster Hand«, durch eigenes Erleben sammeln. Jedoch werden viele Elemente unserer Persönlichkeit, wie Selbstbewusstsein und Vertrauen ausschließlich durch persönliche Erfahrungen vermittelt. So können Grunderfahrungen durch die  Erlebnis- und Abenteuerpädagogik aufgenommen und ausgedrückt werden. Wer schon einmal angeseilt und von einem Mitstreiter gesichert an einer Kletterwand oder einer Felswand hing, der kann leicht nachempfinden, was es heißt, Vertrauen zu haben. Wer bei einer Wandertour nach einem kräftigen Regen den geborgenen Schutz eines Zeltes oder einer Hütte erlebt, lernt schätzen, auf welche Werte es wirklich ankommt. Aber auch aufeinander angewiesen sein und sich gegenseitig helfen, besonders in neuen, vielleicht auch Grenzsituationen wie totale Erschöpfung auf einer Kanuwanderung sind wichtige Momente, in denen Nächstenliebe gelernt und erfahren wird. Menschliche Grenzen werden entdeckt. Obwohl wir im Computerzeitalter leben und viele junge Menschen mehr mit der Playstation als mit Freunden etwas unternehmen, ist der Wunsch nach Gemeinschaft und freundschaftlicher Nähe nach wie vor ungebrochen. Vielleicht gerade, weil in vielen Familien keine Gemeinsamkeiten mehr bestehen. Ein-Eltern-Familien oder auch Familien, in denen die Eltern fast nie für die Kinder da sind, können das Erlernen von Gemeinschaft oft nicht leisten.


Bewegungsmangel und Übergewicht sind bei Klein- und Schulkindern eher die Regel. Dies wirkt sich nicht nur auf die körperliche Gesundheit aus, sondern kratzt am Selbstwertgefühl und kann die geistige Entwicklung hemmen. Besonders Natursportarten, in denen die Kinder auf ganz neue ungewohnte Weise an den Sport herangeführt werden und in denen die körperlichen Grenzen noch besser ausgetestet werden können, sind deshalb ein elementarer Bestandteil der Erlebnispädagogik. Zu diesen Grenzerfahrungen gehören auch die Expeditionen oder Hikes. Hierbei werden die Kinder und Jugendlichen mit in die Planung einbezogen, müssen sich weitestgehend selber versorgen und lernen so Verantwortung für sich und für die Gruppe zu übernehmen. Sie haben die Möglichkeit Eigeninitiative zu zeigen und sich so weiter zu entwickeln. In Projekten wie diesen können die Kinder lernen im Team zu arbeiten und sie sehen, dass die Ergebnisse, die sie erzielen, wichtig für die Gruppe sind und ernst genommen werden. Diese Zusammenarbeit ist aber nicht nur auf den Hikes ein wichtiger Bestandteil, sondern auch in der Großgruppe auf dem Lagerplatz oder dem Ferienhaus. Die Kinder und Jugendlichen lernen schnell, dass ein gemeinsames Leben nur möglich ist, wenn man auch für die Gemeinschaft arbeitet und nicht nur an sich selber denkt.

1.2 Erlebnispädagogik beim Abenteuer Pur e.V.
Erlebnispädagogik bietet Kindern und Jugendlichen ein Lernfeld, das ihrem Aben-teuer-, Erlebnis- und Tatendrang entgegenkommt und damit besonders attraktiv und motivierend ist. Anders als solche Lernfelder, die auf die Vermittlung von Wissen ausgerichtet sind, zielt die Erlebnispädagogik auf die intensive emotionale Beteili-gung von Kindern und Jugendlichen. Sie löst Gefühle und Stimmungen aus, motiviert damit einander zu verstehen und zu begreifen sowie für die Auseinandersetzung mit sich und anderen.
Unsere Ferienfreizeiten zeichnen sich besonders durch dieses gemeinsame Erleben aus. Die Teilnehmer/innen und ihre Betreuer/innen sind unmittelbar und emotional am Geschehen beteiligt. Sie können die Eindrücke und Erlebnisse intensiv aufnehmen, verinnerlichen und schließlich gemeinsam in der Gruppe reflektieren. So entstehen Erfahrungen, die sich positiv auf das Verhalten jedes Einzelnen auswirken und dessen Persönlichkeit gleichzeitig stabilisieren.
Deshalb ist die Gemeinschaft auf unseren Freizeiten für »Neue« das stärkste Erleb-nis: gemeinsames Essen – für viele Kinder unbekannt –, Gemeinschaft beim Spiel, im Gespräch, nach einer gemeinsamen Aktion. Nicht zu vergessen sind die wichtigen Gespräche in Zimmern oder Zelten bei Nacht unter den Teilnehmern und Betreuern. Es entstehen Kontakte, aus denen bleibende Freundschaften werden. Bei koedukativen Freizeiten kann der »gute und vorbildliche Umgang« miteinander gelernt werden. In der erlebten Gemeinschaft geschieht bei Einzelnen oft verborgene Hilfe. Menschen, die sich vorher in Angst und Misstrauen zurückgezogen haben, öffnen sich für andere, aggressive Abwehr wandelt sich in mitmenschliches Verhalten. Auf Freizeiten erleben wir, dass Menschen angenommen werden, die vielleicht sonst in ihrer Schule Außenseiter sind oder auf Grund einer geistigen oder körperlichen Einschränkung oft nicht wahrgenommen werden.
Grundlage unseres Handels als Betreuer bei Abenteuer Pur e.V. ist die Motivation, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, sie in ihrer Selbstständigkeit zu stärken, soziale Kompetenz zu vermitteln und sie durch eine Erziehung zu einem gesunden Selbstbewusstsein resistenter gegen potenzielle Gefahren zu machen.
Der Wunsch, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, entwickelt sich aus den unterschiedlichsten Gründen, wie Gemeinschaft zu erleben, Spaß zu haben, Verantwortung zu übernehmen, Erlebnisse zu teilen, gemeinsam zu verreisen, sowie neue Herausforderungen zu suchen.
Wir möchten Kinder dabei begleiten Gemeinschaft zu erleben, Erfolgserlebnisse zu haben, neue Freundschaften zu schließen und dabei Stück für Stück ein wenig mehr soziale Kompetenz zu erwerben. Dies geschieht auf spielerisch erlebnisorientierter Weise während unserer verschiedenen Ferienangebote.
Die Schulferien spielen dabei die zutragende Rolle. Urlaub, häufig nur kommerziell belegt und durch eine Reizüberflutung an Angeboten wenig erholsam, soll eine Zeit sein, in der Kinder im geschützten Rahmen Dinge ausprobieren können, sich mit anderen messen und Erfolgserlebnisse haben, Urlaub als Lernerfahrung im ganzheitlichen Sinne erleben.
Deshalb bietet Abenteuer Pur e.V. erlebnispädagogische Ferienfreizeiten und Tagestouren an, bei denen beispielsweise Nachtwanderungen, Klettern, Segeln, Fahrrad-, Wander- oder Kanu- Hikes im Mittelpunkt stehen.
Diese bieten Gelegenheit, ein breites Spektrum von Gefühlen zu entwickeln, sie zu artikulieren, auszuleben und positive Werte auf den Alltag zu übertragen.